Mittwoch, 13. Juli 2016

Über Lob, Tadel und Nicht-Erziehung: Meine Gedanken zum Thema Kindererziehung

Neulich in der Twitter-Bubble: eine hitzige Diskussion über unerzogene Kinder, nicht lobende Eltern und die Gefahren der Konditionierung. Die bezaubernde Mo von 2KindChaos hat dazu bereits vor einiger Zeit einen wunderbaren, nun wieder sehr aktuellen Blogpost geschrieben, den ich voll und ganz unterschreiben kann. Auch die Öko-Hippie-Rabenmutter hat dazu ihre Meinung (mehr Beiträge unten).  Nun möchte ich auch meinen Senf dazugeben.


Bild: pixabay.de
Wann ist es eigentlich aus der Mode gekommen, seine Kinder zu erziehen? Seit wann ist Loben verpönt? Und was ist so gefährlich am Bauchgefühl? Zugegeben, ich bin kein Pädagoge, Bindungsforscher oder Entwicklungspsychologe. Ich habe nicht die gesamt Jesper-Juul-Reihe auswendig gelernt, aber auch ich habe so das ein oder andere zum Thema kindliche Entwicklung und Erziehung gelesen. Und ja: ich vertraue oft auf mein Bauchefühl und "mache einfach", statt mich erst einmal schlau zu lesen. Darum kann ich den Trend zu Nichterziehung nicht ganz verstehen.

Erziehung: eine Definitionsfrage

Ich finde Erziehung wichtig und richtig. Vielleicht ist das aber auch eine Definitionsfrage. Ich verstehe unter Erziehung nicht das Ziehen des Kindes in die eine oder andere Richtung, das Dressieren von kleinen Menschen, die lernen sollen, zu funktionieren. Für mich ist Erziehung eine liebevolle Begleitung beim Heranwachsen. Es bedeutet, Raum zu geben, sich zu entwickeln und seine Persönlichkeit zu entfalten. Aber auch, hin und wieder zu lenken, die Welt zu erklären und zu zeigen, wie man in ihr klarkommt. Das beinhaltet für mich ganz klar auch ein gewisses Maß an Autorität. Ich respektiere die Persönlichkeit und die Bedürfnisse meines Kindes, aber, sich sage auch "wo es lang geht". Hey, ich bin Mutter und damit auch der Boss! Ich stelle Regeln auf und achte darauf, dass sie eingehalten werden. Denn ohne Regeln, kann keine Gesellschaft - auch nicht ihre kleinste Keimzelle, die Familie - funktionieren.

Wer ist hier der Boss?

Das bedeutet nicht, dass ich in bester Feldwebelmarnier herumkommandiere und sinnlose Gesetze aufstelle. Meine (zugegeben eher wenigen) Regeln sind flexibel, ich passe sie der Situation an und ändere sie gegebenenfalls. Und es gibt Ausnahmen. Aber dennoch habe ich (natürlich auch mein Mann) das letzte Wort. Wenn es Zeit ist, Zähne zu putzen, ist es Zeit Zähne zu putzen. Da gibt es keine Diskussionen. Und ja, manchmal bin ich auch ein bisschen oldschool. Beim Betreten der Wohnung werden die Schuhe ausgezogen, vor dem Essen die Hände gewaschen und die Wände nicht mit Filzmaler beschmiert. Wenn die Maus im Sandkasten mit der Schaufel um sich schlägt, wird die "getadelt" (oh Gott, da ist es wieder, das böse Wort). Ich zeige Grenzen auf - von Strafen im Sinne von "ohne Abendbrot ins Bett", Fernsehverbot etc. halte ich nichts. Aber es gibt Konsequenzen. Schlägt die Maus wiederholt mit der Schaufel um sich, sage ich ihr, dass sie, wenn sie nicht damit aufhört, aus der Sandkiste kommen muss, und setze das dann auch in die Tat um.

Ich lobe

Ebensowenig halte ich etwas vom "Fleißpunkte-Prinzip" ala für jede gute Tat gibt es Sternchen ins Heft, ein Lolli oder Eis etc. (Was nicht heißt, dass ich mein Kind nicht auch schon "bestochen" hätte, ich bin ja auch nur eine Mutter mit manchmal sehr dünnen Nerven). Ich finde, Kinder sollen nicht lernen, nur etwas für eine Gegenleistung zu tun. Aber: ich lobe. Und zwar nicht (vorrangig), weil ich ein gewünschtes Verhalten erzielen will (Konditionierung), sondern, weil ich es ehrlich so meine, weil ich mich freue und stolz bin auf die Leistung meines Kindes. Wenn die Maus freudestrahlend und Stolz wie Bolle mit einem selbst gemalten Bild zu mir gerannt kommt, dann kann ich einfach nicht anders: ich lobe. "Das ist aber ein schönes Bild, danke!" Und ich meine es dann genauso so. Das ist echt ein schönes Bild, mein Kind kann toll malen.

Konditionierung hin oder her

Ja, ich bin eben echt begeistert von meiner Tochter. Konditioniere ich sie jetzt damit? Bringe sich sie durch mein Loben dazu, ständig neue Bilder zu malen, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich meinem Kind auch so genügend Aufmerksamkeit gebe. Und ein: "Aha interessant, was soll das denn sein, die Figur sieht mir aber gar nicht ähnlich", kommt mir zugegebenermaßen nur sehr schwer über die Lippen. Ich sehe das so wie Mo: Jeder freut sich doch über Lob. Lob ist wichtig für das Selbstvertrauen (es gibt natürlich auch noch andere Dinge, die dazu beitragen, ich weiß). Mir ist auch klar, dass ich nicht jeden Pups lautstark beklatsche und den ganzen Tag jubelnd hinter meinem Kind hinterherrenne. Gewisse Dinge sollten irgendwann eine Selbstverständlichkeit sein und müssen nicht bejubelt werden. Wenn mir mein Mutterherz aber sagt, "Das ist toll, das hat sie ganz wunderbar gemacht", dann sage ich das auch.
Übrigens: Meine Tochter weigert sich immer noch jeden Abend konsequent ihr Mündchen zum Zähneputzen aufzusperren, obwohl ich sie lobe, wenn sie es dann doch tut. In diesem Fall ist mein Lob wohl doch eine bewusste Konditionierung, die aber nicht funktioniert. Denn ja, manchmal denke ich mir natürlich auch: Lobe ich das gewünschte Verhalten, zeigt sie dies vielleicht öfter. Ist das wirklich so verwerflich?

Vielleicht habe ich ja das Prinzip der "Nicht-Erziehung" und des "Nicht-Lobens" falsch verstanden. Dann korrigiert mich bitte. Was mir aber am Herzen liegt ist folgendes: Man kann erziehen und gleichzeitig, die Persönlichkeit des Kindes achten. Man kann loben, ohne dass sich das Kind in ein berechnendes Monster verwandelt. 
Hört doch ab und zu wieder auf Euer Bauchgefühl. Und wenn Euer Mutterherz vor Stolz zu platzen scheint, weil das Kind ein krakeliges Strichmännchen zu Papier gebracht hat, dann äußert dieses Gefühl und lobt! 

Es richtet bestimmt keinen Schaden an...

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