Mittwoch, 8. April 2015

Unser Osterwochenende im "Hotel Oma"

Ostereierpflücken an
frischer Landluft
Nach den letzten drei Horror-Wochen mit nächtlichem Gebrüll und permanenter Schlaflosigkeit haben wir über das lange Osterwochenende äußerst entspannte, sonnige, Tage verlebt und sogar hin und wieder ein paar Stunden geschlafen. Möglich gemacht hat das die heilsame Wirkung von einem Aufenthalt im Hotel Mama bzw. Oma. 

Das liegt nicht nur landschaftlich schön und in der frischesten Landluft (mal abgesehen von vereinzelt vorbeiziehenden gaaanz schwachen Güllefähnchen) – nein: von der kindgerechten Ausstattung können ich so manche Familienhotels noch etwas abgucken.  Das Komplettpaket beinhaltete neben Babybett, Wickeltisch, Windelpakete, Hochstuhl, Lätzchen, Kinderbesteck und –Teller sowie Trinklernflaschen auch Spielzeugkiste mitsamt Inhalt sowie eine Auswahl zuckerfreier Kindersnacks. Darüber hinaus im Hotelangebot: Vollpension, Wäschereiservice und Kinderanimation am Nachmittag. Was will man mehr?

Am Donnerstag checkten die Maus und ich in unserer Wellnessanlage ein. Zunächst stand eine vorsichtige Eingewöhnung gepaart mit sanften Erkundungsgängen an meiner Hand übers Terrain auf dem Programm. Die Maus zeigte sich zunächst sehr schüchtern und wollte – bei aller Neugier – partout nicht von meinem Rockzipfel lassen. Nach und nach taute sie aber ein wenig auf und freundete sich mit der neuen Umgebung an. Der letzte Besuch lag nämlich schon ein paar Monate zurück. Das Schlafenlegen verlief erstaunlicherweise schnell und problemlos, nur nachts hatte sie wieder einige Jammer- und Weinmomente, aus der sich sie aber streichelnderweise wieder schnell herausholen konnte. Insgesamt schliefen wir recht gut.   

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Freitagmorgen erkundeten wir das Außengelände. Unsere kleine Exkursion führte uns zu unseren Nachbarn, die neben 2 Pferden auch 2 Hunde und auch eine große Sandkiste und einen Enkelsohn im gleichen Alter besitzen. Die Maus war hin und weg. Besonders der große weiße Hund hatte es ihr angetan. Freudestrahlend lief sie immer wieder hinter ihm her, während mir das Herz in die Hose rutschte, und ich die Maus schon mit schweren Beißverletzungen am Boden sah. Alle Beteuerungen der Besitzerin, dass Lotti lieb und kleine Kinder gewöhnt sei, konnten mich nicht beruhigen. Ich blieb wachsam. Trotzdem hatten alle ihren Spaß. Nach so viel Toberei an der frischen Luft schmeckte das Mittagessen doppelt lecker und der Mittagsschlaf verlief problemlos. Auch ich ergriff die Chance und haute mich für 2 Stündchen aufs Ohr. 

Am Nachmittag stand für die Maus dann eine kleine Dorfbesichtigung mit Oma und Opa an, während ich auf der Couch lümmelte und ein Buch las. Die Nacht war bis auf einen kleinen Zwischenfall ruhig. Um kurz nach 11 (ich war gerade dabei ins Land der Träume hinüberzugleiten) wurde die Maus wach und schrie sich die Seele aus dem Leib. Nahm ich sie hoch, schrie sie noch mehr und wollte zurück ins Bett, legte ich sie dort ab, schrie sie dennoch weiter. Das sonst so beruhigende Streicheln durch Gitterstäbe wies sie wütend zurück. Ich war macht- und ratlos. Nach 10, 15 Minuten war der Spuk zum Glück vorbei und sie schlief ein und dann durch bis zum Morgen.

Fanta aus der Nuckelflasche und betrunkene Bauern

Am Samstag untersuchte ich (noch immer geschockt von der nächtlichen Schreiattacke) den Mausemund und fand zwei weitere Mauszähnchen im Oberkiefer, die dabei waren, sich ihren Weg nach draußen zu bahnen. Ob das der Grund für die Schreierei war? Nach dem Frühstück ging es wieder nach draußen zum Spielen, wo die Maus sich hingebungsvoll mit Steinen, Stöcken und Erdklumpen beschäftigte. Nach der ausgiebige Mittagsstunde, bei der auch ich wieder ein wenig Schlaf nachholen konnte, ging es zurück in die Natur. 

Am Nachmittag veranstalteten unsere Nachbarn ein kleines Osterfeuer, bei der nicht nur Gartenabfälle verbrannt, sondern auch die ersten Bratwürste übers Feuer (gut es war der Elektrogrill) gehalten wurde. Dort staunte ich dann zum ersten Mal über die Essgewohnheiten der Landkinder (ok,, ich war auch mal ein solches, hatte das aber irgendwie anders in Erinnerung). Neben Chips und Salzstangen futterten die mitgebrachten Kleinkinder ganz selbstverständlich Schokomuffins und zum Trinken gab es Fanta aus der Nuckelflasche. Meine Maus musste sich mit Leitungswasser und Hirsekringel begnügen, schaffte es aber irgendwie doch an die Salzstanden zu kommen -  und  war von dem Moment an "drauf". In Rekordtempo verputzte sie eine Salzstange nach der anderen, und ich gab mich geschlagen, kratzte lediglich das Salz ab und willigte ein. Immerhin besser als Chips und ist ja Ostern sagte ich mir.

Mittlerweile war auch mein Mann zu uns gestoßen, der die Tage davor mit seiner Mutter bei Verwandten verbrachte, bevor sie in Kürze wieder zurück nach Teheran fliegt. Zusammen badeten wir die Kleine (also ich badete mit ihr und er assistierte beim Haarewaschen und Abtrocknen) und verfrachteten die Maus ins Bett.

Ich machte es mir dann im Pyjama auf der Couch gemütlich und wartete darauf, dass der Riesling im Froster schnell auf die ideale Trinktemperatur herunterkühlte. Meine zwischenzeitlich leicht angeschickerte Mutter durchkreuzte meine gemütlichen Trink-Pläne und überrede mich doch noch auf eine Bratwurst mit rüber zu den Nachbarn zu gehen, die ihr Osterfeuer mittlerweile abgefackelt und sich in der Scheune zum Umtrunk zurückgezogen  hatten. Das Babyphone würde bis dahin reichen, versicherte sie mir. Auf mein Drängen hin, schloss sie dann tatsächlich noch die Haustür ab („Abschließen? Ach was, hier kommt doch nix weg.“) Mein Mann, den ich eigentlich schon auf dem Heimweg wähnte (er wollte nach all den Nächten auf der ungemütlichen Besuchercouch bei seinen persischen Verwandten endlich mal wieder ins eigene Bett), hatte den Absprung auch nicht geschafft und stand grinsend inmitten mittelstark bis stark alkoholisierter Landwirte. Er lachte und plauderte und schien sich wirklich wohl zu fühlen. Zwischendurch musste er einmal erste Hilfe leisten, als einer der Festgäste alkoholbedingt hintenüber kippte und mittels Leitungswassers wiederbelebt werden musste.  „Das ist besser als Fernsehen“, raunte mir mein Göttergatte hin und wieder begeistert zu. Dennoch verließen wir die Show rechtzeitig. Die Nacht verlief bis auf einen kleinen Aufwacher relativ ruhig, sodass wir gut erholt in Ostersonntag starten konnten.

Rutsche runter und gleich
wieder rauf: Mausis neue
Lieblingsbeschäftigung 
Nach dem Frühstück brachen wir zur gemeinsamen Eier- bzw. Geschenkesuche im Garten auf. Der Osterhase hatte eine Sandkiste samt Rutsche versteckt. Leider war die Maus nicht so guter Laune und nölte und quengelte sich durch den Vormittag. Auch eine kurze Spritztour im neuen Fahrradsitz meiner Mutter konnte sie nicht aufheitern. Erst der lang ersehnte Mittagsschlaf konnte sie aus dem Stimmungstief befreien. Nachmittags machte sie einen langen Osterspaziergang mit Oma und Opa, während dem ich wieder Zeit zum Lesen fand. Die Maus war bis auf die Schlaf- und Essenspausen abgesehen den ganzen Tag draußen. Sobald  wir drin waren, holte sie schon wieder Jacke und Schuhe hervor als Zeichen, dass es wieder rausgehen sollte. Abends kam dann mein Mann zu uns und wir genossen ein leckeres Osteressen. Dieses Mal aber erst nachdem ich die Maus schlafen gelegt hatte – ich hatte aus dem Weihnachtsdesaster gelernt.

Ein langer Mittagsschlaf und seine Folgen

Der Ostermontag verlief sehr gemütlich. Morgens wollte mein Vater mit der Maus im Garten spielen, was sie aber vehement verweigerte. Alleine mit Opa sein ist ihr irgendwie nicht geheuer. Also wurde drinnen gespielt. Mausig liebste Indoor-Aktivität: auf dem altem großelterlichen Klavier klimpern. Laut meiner Mutter klimpert sie natürlich nicht einfach so, sondern spielt ganze Akkorde. Ihrem Gehör nach spricht die Kleine aber sich schon fließend verständliche Wörter (soviel zum Thema Oma-Stolz...) 

Der Mittagsschlaf gestaltete sich dann ausgiebiger als geplant. Knapp drei Stunden schliefen wir Das sollte ich am Abend rächen…

Am späten Nachmittag packten wir unsere sieben Sachen zusammen und brachen auf Richtung Heimat. Dort angekommen wurden erstmal die Rutsche aufgestellt und eingeweiht. Trotz ausgiebigen Spielens im Garten war die Maus bis zum Abend nicht müde zu kriegen. Dazu kam noch die Aufregung wegen der neuen alten Umgebung. Bis halb zehn tobte sie, mal freudig quietschend, mal wütend  weinend in ihrem Bettchen. Die erste Stunde lag ich neben ihr und versuchte zu beschwichtigen, die 2. mein Mann, dann kurz wieder ich, bevor sich mein Mann dazu aufopferte, ganz neben ihr zu schlafen. Also verbrachten wir die Nacht wieder mal in getrennten Zimmern. (Denn die Maus schläft mittlerweile im eigenen Zimmer, da nur nicht immer alleine. Mehr zu unserer Schlafsituation bald hier auf diesem Blog.)

Fazit: Bis auf den etwas anstrengenden Ostermontagabend war es also ein relativ entspanntes, schlafintensives, schönes langes Wochenende. 

Kommentare:

  1. Schön, dass Du Dich nach der anstrengenden Zeit etwas erholt hast, entlastet und verwöhnt wurdest. Das solltest Du vielleicht regelmäßig machen, wenn es Dir so gut tut!
    Meinst Du, es waren die Zähne, die sie in der einen Nacht so kurz und heftig schreien ließen? Für mich klingt das eher nach Nachtschreck:
    http://www.mamamiez.de/2011/12/07/nachtschreck-was-das-eigentlich-ist/
    Was denkst Du?
    Ich bin gespannt auf den baldigen Text zur neuen Schlafsituation;)
    Liebe Grüße!

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    1. Ja, das ist echt Erholung. An den Nachtschreck habe ich übrigens auch schon gedacht. Danke aber für den Hinweis und den Link. Das bekräftigt meine Vermutung....
      Liebe Grüße!

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  2. Das klingt doch nach sehr entspannten Ostertagen! Es ist so schön, wenn man nur ein Kind hat und sich dann auch noch mal hinhauen kann, wenn dieses schläft! Genieße es, solange sie noch schläft!

    Ich habe bei meinen Kindern festgestellt, dass sie bei den Großeltern immer unruhiger schlafen, aber witzigerweise verläuft das nicht parallel: Während bei meinen Eltern die ersten Nächte schwieriger sind (ich glaube, weil sie durch das ganze Tohuwabohu etwas zu aufgekratzt sind und sie sich erst einmal daran gewöhnen müssen), werden bei meinen Schwiegereltern die Nächte zunehmend schlimmer. Ob das an meiner schlechter werdenden Laune - je länger wir dort sind, oder auch wenn sie bei uns zu Besuch sind - liegt, weiß ich nicht. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn sich das doch irgendwie auf die Kinder überträgt ;-)

    Liebe Grüße aus London,
    Uta

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  3. Ja, mit einem Kind ist das sicherlich leichter zu handeln.
    Wo wohnen deine Eltern und Schwiegereltern denn? Müsst ihr für ein Oma-Wochenende immer nach Deutschland reisen? Ja, dass mit den Schwiegerelternbesuch ist so ne Sache - da liegen die Nerven schnell mal blank... ;)) Spreche da aus leidvoller Erfahrung. Vielleicht merken das deine Kinder ja wirklich und fühlen mit dir.
    Liebe Grüße!

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