Montag, 15. Dezember 2014

Gleichberechtigung: Gilt die auch für Eltern?

Ich halte mich für eine durchaus emanzipierte Frau, für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau eine Selbstverständlichkeit ist. Doch allmählich kommen mir Zweifel, ob das mit der Gleichberechtigung wirklich so realistisch ist.

Rein juristisch haben in Deutschland Frau und Mann vor dem Gesetz zwar die gleichen Rechte, Schaut man aber mal in einen gewöhnlichen Haushalt mit kleinen Kindern, sieht die Sache schnell ganz anders aus. Kaum ist ein Baby da, mutiert die eins so erfolgreiche Karrierefrau zum Muttertier und bleibt zu Hause. Papi lässt sich bekochen und wird immer mehr zum Pantoffelhelden.

Auch ich habe mich freiwillig dazu entschlossen, ein Jahr im Job zu pausieren, um mich Vollzeit um mein Kind kümmern zu können. Dass ich damit aber automatisch in die Rolle der Hausfrau rutsche, die neben Windelwechseln und Breikochen auch noch die Befüllung des Kühlschranks und die Reinigung des Familienklos zu verantworten hat, war mir - naiverweise  ich gebe es zu - nicht bewusst.  Schließlich ist der Mutterjob doch zeitfüllend genug, oder? Nachdem ich die ersten Monate also stillen(den) Protest geübt habe (Stillen ist aber auch wirklich ein harter Job) und nur fürs Baby da war, wurde ich von einem Tag auf den anderen auf den harten Boden der Realität geworfen.

"Jammern nützt nix"

Mein Mann, ein Restaurantbesitzer, hatte die ersten fünf Monate im Job deutlich kürzer getreten und einen tadellosen Hausmann aufs Parkett gelegt. Wegen interner Probleme musste er dann aber dummerweise von heute auf morgen wieder zurück in sein Restaurant. Und das bedeutet, arbeiten zu allen unmöglichen Tages- und Nachtzeiten. Es ist, wie es ist und jammern nützt nix, sagte ich mir und versuchte, mich mit der Situation irgendwie anzufreunden. Ich lernte kochen (auf Dauer sind Tiefkühl-Pizzen doch etwas eintönig, und das Kind braucht ja irgendwann auch mal was anständiges zwischen die Zähnchen), schrubbte fleißig die Zahnpastaflecken vom Badezimmerspiegel und übte mich sogar ein wenig in Gartenarbeit.

Wer das vor der Geburt des Babys alles gemacht hat? Gartenarbeit ehrlich gesagt niemand von uns (so sah der Garten äh Urwald aber auch aus). Und da wir beide beruflich sehr eingespannt und fast nur außer Haus waren, blieb kaum Zeit für große Hausverwüstungen. Die Küche blieb auch fast immer kalt, gegessen wurde im Restaurant. Und dass bisschen Dreck das dennoch anfiel, wischte einmal die Woche die geliebte Reinigungsfee weg.  Die gute Fee haben wir übrigens immer noch, das erleichtert das Ganze dann doch ein wenig.

Die Beziehung litt

Dennoch blieb genug Hausfrauenarbeit für mich übrig - und eine Zeitlang, ich gebe es zu, ging ich sogar in diese für mich neue Aufgabe auf. Doch irgendwann stellte sich der Alltagsfrust ein. Da mein Göttergatte zudem kaum noch anwesend war, fühlte ich ich immer mehr wie die verheiratete Alleinerziehende.  Plötzlich war er raus aus der Sache mit dem Haushalt und den Kinderpflegetätigkeiten und ich die "Frau im Haus". Plötzlich klebte alles an mir. Und ich hatte niemanden,  dem ich abends mal ein schreiendes Kind in den Arm drücken konnte. Denn abends war ich immer allein. Auch die Nachtschichten übernahm ich. Kam mein Mann spät nach Hause verkrümelte er sich zum Schlafen ins leere Kinderzimmer (Maus schläft an meiner Seite) und es war an mir, Fläschchen zu machen und im Halbschlaf Gute-Nacht-Lieder zu summen, damit Mausi schnell wieder zurück in den Schlaf findet. Morgens musste ich mich leise nach unten schleichen, denn Papa muss ja noch schlafen. Gemeinsame Familienfrühstücke fielen damit logischerweise aus.

Ich war derart frustriert, dass ich mich immer mehr in eine nölende Zicke verwandelte. Unsere Beziehung litt.

Hilfe muss sein

Mittlerweile habe ich mir Unterstützung organisiert und fühle mich ein wenig besser. Einmal die Woche springt meine Mutter (wohnt leider nicht um die Ecke) als Babysitter ein, einen Abend die Woche bleibt mein Mann zu Hause und bringt das Töchterlein ins Bett, sodass ich zum Yoga kann, sonntags versuchen wir zusammen als Familie Zeit zu verbringen und  am Abend bleibt mein Mann zu Hause und guckt mit mir zur Liebe Tatort. Ab und zu gehen wir sogar abends alleine aus. Nächstes Jahr werden wir das noch intensivieren, suchen gerade dafür einen Babysitter.

Es geht also langsam aufwärts, dennoch bleiben die Zweifel. Kann man als Eltern gleichberechtigt nebeneinander leben? Was ist wenn ich wieder arbeite? Bleibt dann automatisch der Haushalt an mir kleben? Kann mein Mann mich mit seinem Gastrojob am Hals überhaupt unterstützen? Sind Mütter immer diejenigen, die zu Hause und bei der Kindererziehung mehr leisten. Was sind Eure Erfahrungen dabei? Freue mich über Eure Kommentare.

Kommentare:

  1. Schwierig! Ich glaube gleichberechtigt geht schon. Das bedeutet ja, dass die Möglichkeiten gleich verteilt sind. Die Frage ist nur, ob das auch 100%ig vereinbar für Mama UND Papa ist und, ob die Arbeiten mit Kind und Haushalt gleich verteilt werden (können aufgrund des Jobs). Und das geht ja leider meistens nicht bzw kollidiert dann mit den Vorstellungen, die man für das Kind hat (es zum Beispiel nicht von 7-19 Uhr in die Betreuung zu bringen).
    Ich glaube, für die Partnerschaft ist es unglaublich wichtig, sich immer wieder über die Vorstellungen auszutauschen. Und die Verteilung der Arbeit mit Kind und Haushalt und Arbeit nicht als unausgesprochen gegeben vorauszusetzen. Und dies auch wertzuschätzen.
    Viele Grüße und alles Gute von einer anderen Teilzeitmutter

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    1. Liebe Mama Schulze,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich glaube, man muss sich tatsächlich als Paar immer wieder neu "zurechtruckelnen" und immer wieder darüber reden, wie die Dreifachbelastung - Kind, Haushalt, Karriere - halbwegs gerecht auf 2 Schultern verteilt werden kann. Da die meisten berufstätigen Mütter in Teilzeit arbeiten, bleibt logischerweise der Haushalt dann doch oft zum größten Teil an der Frau kleben. Ich werde mal abwarten, wie sich das bei uns alles entwickelt. Und blogge dann natürlich darüber. LG

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  2. Ich glaube, das ist leider die unschöne und unerwartete Realität der Familiengründung. Ich kenne zumindest keine vorher noch so gleichberechtigte Familie, bei der nicht der überwiegende Teil der Kinder- und Hausarbeit an der Frau/Mama hängenbleibt. Ganz wichtig hierbei finde ich - wenn es schon nicht zu ändern ist - den Respekt und die Wertschätzung für diese mehr oder weniger ungeliebten Tätigkeiten. Auf der Arbeit bekommt man ja im Regelfall eine Wertschätzung durch die Kollegen, den Chef oder eben das Gehalt. Deswegen finde ich, dass der weniger berufstätige Partner eigentlich mehr Wertschätzung und Dank bekommen sollte, weil er eben so viele "unsichtbare" Tätigkeiten macht.

    Leider wird noch viel mehr an Aufgaben in der nächsten Zeit dazukommen, wirst Du sehen. So zum Beispiel die gesamte Kitaorganisation (an was man da alles denken muss!), Kindergeburtstage, Geschenke, Arzttermine, das Sozialleben der Kinder organisieren (gegenseitige Einladungen etc.), eventuelle Kurse/Nachmittagsbeschäftigung und so weiter. Ein Rattenschwanz von To Do's, die in den allermeisten Fällen die Mama im Kopf behält und abarbeitet.

    Sich Hilfe zu holen ist unerlässlich. Ebenso wie konkrete kleinere Aufgaben an den Partner zu delegieren. Kann er vormittags einkaufen gehen, wenn er erst abends arbeitet? Kann er das Kind an einem festen Tag pro Woche von der Kita abholen? Oder einen Kurs mit ihr zusammen machen? Alles nur Beispiele. Aber nicht warten, ob vom Partner was angeboten wird (die machen meist so lange in ihrem Trott weiter, bis alles explodiert), sondern selbst aktiv fragen.

    Ansonsten wirst Du sehen, dass die Arbeit Dir einen Ausgleich schafft, der es wiederum leichter macht, die Haus- und Kinderarbeit zu "ertragen". Zumindest bei mir ist es so. Ich wünsche Dir, dass es bei Dir ähnlich ist.

    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Frühlingskindermama,

      ich glaube Du hast Recht. Am Ende sind es die Mütter, die den Hut auf haben und den Familienalltag organisieren. Das ist bei uns nicht anders. Aber Delegation ist unerlässlich, das stimmt. Auch wir werden einen Weg finden und uns neu organisieren. Ich bin gespannt, wie das in der Realität aussieht. Trotzdem freue ich ich schon sehr auf den Januar und auf meinen neuen alten Job.

      Liebe Grüße!

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